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Chris Carter - Interview

INTERVIEW

 

Hallo Chris, als erstes möchte ich mich dafür bedanken, dass du dir die Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten. Wärst du so nett, dich unseren Lesern kurz selbst vorzustellen?

Mein Name ist Chris Carter. Ich wurde in Brasilia, der Hauptstadt von Brasilien, geboren, wo ich meine Kindheit und meine Jugend verbrachte. Nachdem ich im jungen Alter von 16 Jahren meinen High School-Abschluss gemacht habe, zog ich in die USA, wo ich Psychologie mit dem Schwerpunkt Kriminalpsychologie studiert habe. Während meiner Unizeit hatte ich einige seltsame Jobs, das reicht vom Burgerwender bis hin zur Mitgliedschaft in einer Männerstrip-Gruppe.

Ich habe einige Jahre als Kriminalpsychologe gearbeitet, bevor ich nach Los Angeles gezogen bin. Dort tauschte ich die Anzüge und Aktentaschen gegen zerrissene Jeans, Bandanas und eine E-Gitarre. Nachdem ich für ein paar Glamrock-Bands gespielt habe, entschied ich mich, mein Glück in London zu versuchen. In dieser Zeit hatte ich das Glück, für einige sehr bekannte Künstler spielen zu können.

Vor ein paar Jahren bin ich aus dem Musikbusiness ausgestiegen, um als Vollzeitautor zu schreiben. Ich lebe derzeit in London.

Du hast Kriminalpsychologie studiert. Dann wurdest du Profimusiker und schließlich Autor. Wie passt das alles zusammen?

Nun, natürlich nutze ich die Erfahrungen als Kriminalpsychologe für meine Bücher. Die Musik passt da zwar nicht so ganz rein, aber aber ich bringe zumindest immer ein paar Bands in meinen Romanen unter. Außerdem mag meine Hauptfigur, Robert Hunter, Rockmusik.

Bereust du manchmal, die Gitarre gegen den Stift getauscht zu haben? Ich kann mir vorstellen, dass es großartig war, um die ganze Welt mit all ihren interessanten Orten und Menschen zu touren.

Nein. Natürlich, das Touren war großartig und so, aber ich habe das lange genug gemacht. Ich denke, dass ich den Beruf genau zum richtigen Zeitpunkt gewechselt habe.

Wie viele eigene Erfahrungen nutzt du für deine Bücher?

Jeder meiner Romane ist eine Mischung aus Fakten und Phantasie. Um ehrlich zu sein ist es mehr Phantasie als Fakten. Die Ausnahme war “Die stille Bestie“, welches hauptsächlich auf wahren Begebenheiten beruht.

Wie viel von dir selbst steckst du in deine Figuren?

Ich denke, dass in Hunter und Garcia schon ein bisschen von mir steckt.

Hast du schon an eine Serie gedacht, als du den ersten Hunter & Garcia-Roman geschrieben hast?

Nein, überhaupt nicht. Mein erster Roman “Der Kruzifix Killer” sollte eigentlich ein für sich stehendes Buch werden. Es war mein Agent Darley Anderson, der mir vorschlug, dass ich das Ende ändern solle, nachdem er das Manuskript gelesen hat. Er schlug mir vor, eine Serie daraus zu machen, da er der Meinung war, dass Robert Hunter als Figur stark genug ist, um ein Serien-Detective zu sein. Ich habe seinen Vorschlag aufgegriffen und schrieb die letzten 10 Kapitel des Buches neu.

“Die stille Bestie” war deine erste Veröffentlichung in den Vereinigten Staaten. Wie hast du darüber gedacht, mit dem sechsten Band auf dem US-Markt zu starten statt mit dem ersten? Und wie waren die Reaktionen auf das Buch?

Natürlich hätte ich es vorgezogen, wenn die Reihe in der korrekten Reihenfolge in den USA veröffentlicht worden wäre, aber ich hatte darauf keinen Einfluss. Das Gute ist, dass die Geschichten meiner Romane in sich abgeschlossen sind, sodass jeder Leser von “Die stille Bestie” die Story auch ohne die Vorgänger verstehen wird.

Die Reaktionen waren großartig. Besser als ich erwartet habe.

Denkst du, dass es einen Unterschied zwischen den Märkten im Vereinigten Königreich und den USA gibt? Und wie sieht es mit dem Rest der Welt aus?

Ja, ich denke, dass es einen großen Unterschied zwischen den Märkten gibt. Meine Romane werden mittlerweile in 28 verschiedenen Sprachen auf der ganzen Welt veröffentlicht und einige der Märkte unterscheiden sich sehr von den anderen. Ich freue mich darum sehr, dass meine Bücher in den meisten Ländern gut laufen.


Wirst du oft nach “Akte X” gefragt? Als ich einer Bekannten erzählte, dass du mir das Interview zugesagt hast, meinte sie “Wow, der Typ, der Mulder und Scully erfunden hat?”. Als ich mit “Nein, der Kerl, der die Hunter & Garcia-Romane schreibt”, antwortete, erwiderte sie “Ach, das ist nicht derselbe?”

Seit die neue Staffel veröffentlicht wurde, kriege ich oft solche Nachrichten über Facebook. Ich antworte dann immer, dass sie sich den falschen Chris Carter ausgesucht haben.

Wir hatten neulich eine Diskussion darüber, dass Thriller immer brutaler werden. Deine Bücher zeigen ein hohes Maß an bildlicher Gewalt. Wie denkst du darüber, muss diese Art von Büchern brutal sein? Oder sind es die Leser, die ihre Bücher so wollen, wie du sie schreibst?

Ich verstehe schon, dass meine Bücher als ziemlich brutal beschrieben werden, aber die Gewalt ist mir nicht wichtig, wenn ich schreibe. Ich versuche, eine Szene so zu beschreiben, wie sie in meinen Gedanken sehe. Durch meinen vorherigen Job und die Berichte, die ich zu schreiben gewohnt war, neige ich dazu zu, bei den Beschreibungen der Tatorte sehr detailliert zu sein. Vielleicht werden meine Bücher darum als brutal angesehen.

Unterschiedliche Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker und mir ist klar, dass meine Romane nicht jedermanns Sache sind, aber ich weiß auch, dass ich immer mein Bestes gebe, wenn ich ein neues Buch schreibe. Manche Menschen werden es mögen, andere nicht, aber ich weiß, dass ich das Beste getan habe, was ich konnte. Und das ist auch alles, was ich tun kann.

Du bist mit der Hunter & Garcia-Serie erfolgreich und bei deinem Hintergrund scheint es nur logisch, dass du Thriller verfasst. Könntest du dir trotzdem vorstellen, mal etwas ganz anderes zu machen?

Ich denke, solange die Leute Hunter-Geschichten lesen wollen, werde ich sie schreiben. Im Moment habe ich keine Pläne, etwas anderes zu machen, aber man kann ja nie wissen. Vielleicht habe ich sie doch irgendwann.

Wie sieht ein normaler Tag in deinem Leben aus?

Meine Wochentage sind ziemlich langweilig, wirklich. Ich stehe früh auf und gehe ins Fitness-Studio. Wenn ich gegen 8.00 oder 8.30 Uhr wieder zu Hause bin, fange ich an zu schreiben. Ich schreibe den ganzen Tag bis 17.00 oder 18.00 Uhr. Es kommt auf den Tag an. Abends höre ich normalerweise Musik, schaue mir Filme an, gehe mit Freunden aus. Kommt immer darauf an, aber das ist es eigentlich. So sieht der Großteil meiner Woche aus.

Natürlich gibt es ein paar klassische Fragen, die ich in jedem Interview stelle. Zuerst einmal: woher nimmst du deine Inspiration? Hast du Vorbilder?

Meine Inspiration, wenn man es so nennen kann, kommt aus meinem verdrehten Kopf.
Nein, ich habe keine Vorbilder.

Wie arbeitest du? Nutzt du einen Stift oder einen Computer? Arbeitest du an deinem Schreibtisch oder woanders, in einem Café zum Beispiel?

Immer am Computer. Ich mache viel zu viele Fehler, um einen Stift oder eine Schreibmaschine zu nutzen.

Ich habe ein Büro in meiner Wohnung, in dem ich arbeite. Ich kann nicht gut in einem Café oder an einem ähnlichen Ort arbeiten. Der Lärm lenkt mich zwar nicht ab, aber die Bewegungen der Leute um mich herum kriegen mich.

Wie lange brauchst du, um einen neuen Roman fertigzustellen?

Normalerweise, wenn ich mich nicht dazu entscheide, die Hälfte des Buches wegzuschmeißen (das ist bei “I am Death” passiert) zwischen sieben und acht Monaten.

Liest du viel? Graham Masterton erzählte mir einmal, dass er nicht mehr gerne liest, seit er Vollzeitautor ist.

Nein, ich lese definitiv nicht viel. Im Durchschnitt etwa zwei bis drei Bücher im Jahr, wenn überhaupt. Nicht, weil ich es nicht mögen würde, sondern weil ich ein echt langsamer Leser bin und normalerweise auch nicht die Zeit zum Lesen finde.

Was können wir in Zukunft von Chris Carter erwarten? Gibt es Projekte, an denen du gerade arbeitest?

Ich arbeite immer am jeweils nächsten Buch. Derzeit steht mein achter Roman – “Answer me” – kurz vor der Vollendung und mein Kopf windet sich bereits um die Geschichte für das neunte Buch.

Wenn jemand zu dir kommen und sagen würde “Hey Chris, ich möchte Autor werden”, was wäre der erste Tipp, den du ihm geben würdest?

Tu’s nicht. Es ist zu viel harte Arbeit.

Gibt es Projekte, von deren Umsetzung du träumst?

Ich würde gerne einen meiner Romane als Film-Adaption sehen. Bislang ist noch nichts passiert, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.

 

Danke an Sebastian von Stuffed-Shelves.de.
Quelle: https://stuffed-shelves.de/im-gespraech-mit-chris-carter/
Originalinterview in englischer Sprache: https://stuffed-shelves.de/interview-with-chris-carter/

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